Die liebe „Jugend von heute“….

Die liebe „Jugend von heute“….

Ich bin jetzt in einem (mittleren) Alter, gehe demnächst auf meinen nächsten Runden zu und abgesehen davon, daß ich mir schon langsam Gedanken machen sollte über Botox, Vitaminpillen und grauen Haaren…mich allerdings noch ziemlich jung und, wie würde meine Tochter sagen – „hip“ – fühle, hätte ich nie gedacht daß ich mal jenen Satz, den schon unsere Großmütter gepriesen haben,selbst mal benutzen würde: „Die Jugend von heute…!“

Zugegeben, obwohl ich mich selbst als „coole Mama“ bezeichne und man mich nie, ja wirklich nie, auch nicht wenn ich einmal wirklich „alt“ bin, mit orthopädischen Schuhen, altersgemäßer Locken-Kurzhaarfrisur oder auf Volksmusik-Konzerten mitträllernd und – schunkelnd anfinden wird, kommt mir doch öfter mal dieser berühmte Satz über die Lippen.

Ich bin dafür dankbar, daß ich in einer noch relativ unbeschwerten Zeit aufwachsen durfte. In einer Zeit, in der wir uns als kleine Nachbarskinder-Straßenclique die Zeit noch bis spät abends draußen mit Flaschendrehen und Schatzsuche vertrieben hatten.
Wir hatten zwar keine Ahnung davon, aber waren sehr stolz darauf wenn man es geschafft hatte, 2 Bretter auf einen Baum zu nageln, um es dann unser „Baumhaus“ zu nennen 😉
Ach war das schön. Die Sparbüchse plündern und barfuß zum nächsten Kiosk (damals gab es sogar noch kleine, liebevolle Tante-Emma-Lädchen) zu tingeln, um sich von ein paar Pfennigen ein Eis oder ein paar Gummitiere zu kaufen.
Mit Klingelstreichen die ganze Nachbarschaft gegen sich aufbringen oder uns als kleine „Helden“ zu fühlen, wenn man einen verirrten Vogel wieder ins Freie brachte, oder in einem Schuhkarton versucht hatte gesund zu pflegen.
Von wegen „Stubenhocker“, Internet und Pc-Spiele…
Wir waren Rabauken, wir fühlten uns wie „Rebellen“, jawohl! 🙂

Sms, Facebook, Bildtelefon….das war für uns Utopie aus einem Science-Fiction-Film. Eigentlich ist es schade. Ich finde, der heutigen Jugend (und schon wieder dieser Satz 🙂 geht dadurch ein kleines Stück „Romantik“ verloren.
Was mussten wir alles anstellen, wenn man sich verliebt hatte…ja, man mußte noch richtig kreativ sein.
Wer kann sich nicht daran erinnern, was man alles angestellt hatte um endlich „seine“ Telefonnummer in den Händen zu halten. (Von wegen mal schnell im Internet nach Telefonnummer und Adresse zu googeln!)
Heute muß man nur den Namen bei Google eingeben und schon hat man von seinem Schwarm mal eben von der Adresse, bis hin zu Haarfarbe,Hobby’s und Vorlieben alles sofort bei der Hand.

Wie einfach! – Wie langweilig!

War es nicht schöner, wenn sich alles langsam entwickelt hat?
Mit kleinen, vorsichtigen Annäherungsversuchen wie etwa kleine Zettelchen im Unterricht herumzureichen und Herzklopfen, ob man sich denn nicht blamieren würde…
Es durfte einen nur der Lehrer nicht erwischen (so mir passiert).
Mein Gott,was bin ich rot angelaufen, als der Lehrer diese kleine erste Vorstufe zum lang ersehnten ersten Freund vor der ganzen Klasse vorlas…
Mit der besten Freundin flüstern im Pausenhof,ersten Schmink- und Modeerfahrungen um „ihn“ zu beeindrucken..
Und was war das für ein Gefühl, wenn man dann nach langen heimlichen Bemühungen endlich seine Telefonnummer in den Händen hielt.
Sich anschließend tagelang darüber Gedanken zu machen, aus welchen fadenscheinigen Gründen man ihn anrufen oder zur eigenen Party einladen könne. Und wenn es dann so weit war und man endlich die Überwindung gefunden hatte, mit zitternden Händen seine Nummer zu wählen…. im letzten Moment aufzulegen.

Heute reicht ein kurzer sms-Text mit dem Inhalt: „Freitag Party, vorglühen bei mir daheim.“ – Antwort: „Ok.“

Aha. Sehr romantisch. 😉

Kommen wir mal zum Thema Musik. Musik wurde einst von großen Komponisten gemacht, um Emotionen hervorzurufen. Schließlich hat man „damals“ ja sein Geld damit verdient.
Was in „meiner Zeit“ noch hausgemachte Rockmusik war, von echten „Rebellen“, die die Texte in Selbstfindungstrips und mit „horizonterweiternden“ Mitteln noch selbst schrieben und komponierten und ja, sogar noch selbst gesungen haben (naja ok, bis auf „Milli Vanilli“ 😉 ist heute nur mehr computergesteuertes, stimmenüberarbeitetes Zugedöhnse.
Ein einfaches Konzept in der Zeit der Casting- und Selbstdarstellungs- Exibitionismus- Shows: Man nehme einen bestimmten „Typ“, von dem man glaubt, er könne die Zahnspangen-Generation bis zur Ekstase „singen“, mischt ihn mit einem von unbekannten Songwritern gekauftem Lied, peppt ihn mit „Schüttelfrisur“, Calvin Klein- Jeans und Zahnpasta-Grinsen auf.
Da is nichts mit „Ecken und Kanten“ oder eigenem (manchmal Hotelzimmer- zerstörendem) Exzess-Charakter, da wird „gehobelt und gefeilt“ bis man den „perfekten Superstar“ kreirt hat. Daß er eigentlich völlig und absolut talentfrei ist, ist egal, Hauptsache er läßt sich gut verkaufen, Hauptsache man erscheint mal für 4 Wochen in der „Bravo“. Der nächste „Superstar“ kommt sowieso schneller, als man bis 3 zählen kann.Punkt!

Von wegen „Bravo“: Als ich 6 Jahre alt war, saßen meine Eltern mit Freunden in „feuchtfröhlicher Gesprächsrunde“ beisammen. Mein Vater schickte mich zu seinem Aktenkoffer, um eine Zeitschrift herauszuholen.
Beim laufen blätterte ich sie neugierig durch und mein Vater nahm sie mir aus der Hand mit den Worten: „Die ist noch nichts für dich.“ Wie jetzt? Warum solle die Zeitschrift „nichts für mich sein“ wenn doch E.T. auf dem Cover war? Das nächste Mal „legal“ hielt ich die „Bravo“ dann mit 14 in der Hand 😉
Es gab zwar schon immer das „berühmte Dr. Sommer-Team, aber die Fragen waren eher: „Kann ich vom küssen (!) schwanger werden“, als „Hilfe ich bin 13 (!) und schwanger…“ 😉
Und von wegen, daß Teenager sich nackt ablichten ließen. Um Himmels Willen, ausgeschlossen.
Ich finde auch nicht, daß das etwas mit „altmodisch“ sein zu tun hat, sondern eher mit natürlichem Schamgefühl. Aber heute bekommt man ja schon teils im Nachmittagsprogramm überall die Möpse serviert.
Das Highlight war natürlich der „Star-Schnitt“. (Für alle, die ihn nicht mehr kennen: Jede Woche gab es in der Heftmitte einen Körperteil in Posterform, bis man nach Wochen endlich den Star in Lebensgröße an seiner Wand präsentieren konnte 😉 Der allerdings verständlicherweise heute in der schnellebigeren Zeit nicht mehr rentabel ist. Denn bis man am Hals des Stars angekommen ist…ist er ja schon wieder out.

Ja ja die „Liebe Jugend von heute“….

Wenn ich jetzt meine Tochter so ansehe, komm ich allerdings manchmal um ein kleines Schmunzeln nicht herum, wenn mit Jugendsprache neue Wörter kreiert werden um möglichst – in meiner Zeit nannte man es „cool“ – zu sein. Manche Dinge ändern sich eben nie…und sind wir mal ehrlich: Hat nicht irgendwie jede Generation ihre „Jugend von heute?“ 😉

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7 Gedanken zu “Die liebe „Jugend von heute“….

  1. Toller Beitrag mit guter Beobachtungsgabe!

    Ich „(ver)zweifle“ ja schon manchmal an der Generation „zwei Jahre jünger als ich“.
    Oft habe ich das Gefühl, dass sich selbst in dieser kurzen Zeitspanne viele Ansichten und Denkweisen hochgradig verändert haben.
    Wahrscheinlich liegt das an der Schnelllebigkeit der Zeit im Allgemeinen.
    Ich kann mich mich jedenfalls mit vielen, unwesentlich jüngeren Menschen oft nicht wirklich identifizieren.
    Nagut, ich bin sowieso etwas antiquiert eingestellt in mancherlei Hinsicht, aber trotzdem gibt es deutliche Unterschiede im direkten Vergleich.
    Irgendwie bin ich froh, nicht zur Jugend von heute zu gehören. 😉

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    1. Haha ich möcht auch keine 16 mehr sein 😀 Wenn ich meine Tochter (18) anschau, dann denk ich mir manchmal. Gottseidank bin ich nicht mehr in dem Alter. Handy-Ausfall: Katastrophe! Denk zwar schon, daß ich in mancher Hinsicht sehr aufgeschlossen bin, aber mit manchen Gegebenheiten komme ich gar nicht mehr klar und kann manchmal nur mit dem Kopf schütteln…;-) wir haben wir das „früher“ nur überlebt? 😉

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