Facebook — oder: „Hast Du noch ein reales Leben?“

Facebook — oder: „Hast Du noch ein reales Leben??“

Was haben wir eigentlich alle ohne Facebook gemacht? Hatten wir Hobbies? Wie hat man sich eigentlich vorher die Abende vertrieben, wenn die TV-Sender mal wieder auf unserem Gemüt rumgetrampelt sind??
Und ab und zu trifft man sie noch vereinzelt. Diejenigen, die noch „besseres“ zu tun haben, als sich mit Facebook zu beschäftigen. Aber nicht, ohne daß einem nicht ein „Waaaaas?? Du bist niiiicht bei Facebook?“ entfährt… 😉
Facebook ist ja mehr als ein bloßes Hobby. Bei Facebook hat man all die Möglichkeiten, die man vorher (anscheinend) nicht hatte. Facebook ist Tageszeitung, Fernsehen, Sprachrohr, Medium! Facebook führt lang verschollene Schulfreunde wieder zusammen. Bei Facebook kann man sich verabreden, Aufrufe starten, Gruppen gründen und…das wichtigste: sich auskotzen!

Jeder benutzt Facebook für andere Interessen und man lernt Leute kennen, wie man sie im „wahren“ Leben (jaaa es gibt noch ein Leben außerhalb von Facebook!) wahrscheinlich nie kennengelernt hätte. Von Zeit zu Zeit mistet man aus, fügt hinzu, löscht, blockiert….! Seine Emotionen drückt man mit einem „Gefällt mir“ aus. (Ich warte ja immer noch auf den „Gefällt mir nicht“- Button! Leute, dann geht’s rund! 😉

Würde man das alles auch so einfach im „wahren Leben“ handhaben? Jemandem auf der Straße sagen, daß einem das Kleid einer fremden Person gefällt? Oder gar- nicht- gefällt?

Würde man im „wahren Leben“ auch seinem Unmut so lauthals kundtun und rumschreien, sich ärgern, verbal aufregen? Bei Veranstaltungen? Bei Elternabenden oder gar im Supermarkt? Die wenigsten würden das wohl mit einem „ja“ beantworten!
Facebook bietet allerdings auch allerlei zum schmunzeln…und ganz ehrlich, wer saß nicht schon einmal davor und hat sich beim durchlesen mancher Post`s gedacht: “Diese Person rrrregt mich auf!“
Oder sah sich plötzlich mit jemandem in inniger Gemeinsamkeit verschmolzen, den man vorher zwar kaum gekannt, der aber manch (noch so unsinnige, lustige oder verärgerte) Meinung vertrat? 😉
Wir kennen es (fast) alle!

Nehmen wir doch mal die verschiedenen Facebook-Typen auseinander!

Da gibt es den „Jammerlappen

Der Jammerlappen nutzt Facebook, um der Welt zu zeigen, wie deprimiert er ist und wie sch… eigentlich sein Leben sei. Der Jammerlappen ziert seine Pinnwand am Montag gerne mit lustigen „So ein Mist, schon wieder Montag“- Bildchen und Meme`s, damit alle wissen, wie „gerne“ er auf die Arbeit geht. Und das jeden (!) Montag!!
Der Jammerlappen ist bekannt dafür, Mitleid zu heischen und man hat das Gefühl, als wäre er umso glücklicher, je mehr likes und Bestätigung er für sein verkorkstes Dasein bekommt.
Der gerne Zitate postet darüber, wie oft er schon enttäuscht worden sei, obwohl er doch im Leben alles richtig gemacht hätte und irgendwann (wann wird das sein?) die Belohnung für den ständigen Kampf seines trögen Daseins erhalten werde…! Gerne versinkt er mit mittelschwerem Hang zum Seelen- Exhibitionismus in tiefsinniges Selbstmitleid und man spürt ab und zu den Drang, dieses „arme Geschöpf“ von seinem „Leid“ zu erlösen und ihn….. einfach einzubuddeln!! (Oder eine andere Option– auf den Mond zu schiessen!!)

Durchleuchten wir das Gegenteil, den „Optimisten

Für den Optimisten ist alles ein einziges Karamell- Bonbon, verziert mit viel Schokoguß und in Zuckerwatte gehüllt.

Der Optimist läßt sein idealistisches Weltbild durch nichts erschüttern. Für den Optimisten ist alles schön und rosarot. Für den Optimisten ist die Welt nicht ein „halbvolles Glas“, sondern ein übersprudelndes Faß! Job weg? Mann weg? Egal, auf zum nächsten! Wird schon. Irgendwann jedenfalls. Freundschaftsanfragen werden alle beantwortet, denn schließlich hätte jeder eine Chance verdient. Den Optimisten wird man auch selten jammern oder nörgeln hören, im Gegenteil, der Optimist versucht, andere aufzubauen, mit der leichten Neigung zum Schönreden. Alles wird gut. Irgendwann jedenfalls!

Kommen wir zum amüsantesten Typ, dem „Seelenstripper

Der Seelenstripper nutzt Facebook, um der Welt alles, aber auch ALLES mitzuteilen! Er zeichnet sich auch dadurch aus, daß er überall „mitreden kann“ und alles im Leben schon mit- und durchgemacht hat. Wenn man ihn schon vorher geglaubt hat zu kennen…durch Facebook hat man ihn erst wirklich kennengelernt und man weiß von seinem von Blähungen gequälten Darm, seiner selbstkreirten Psychose, bis zu seinen „Küchenkünsten“ wirklich ALLES über ihn! Was für einen selbst nicht von Nachteil ist, denn hat man den Seelenstripper mal zum Feind erkoren, weiß man auch wie man ihn gut in Schach halten kann.

Der nervigste Typ, der „Spieler

Der Spieler ist bekannt dafür, sein Facebook- Umfeld damit zu quälen, daß er einem die Pinnwand zuspamt mit allerlei Fortschritten, die er in den verschiedensten Spielen gemacht hat. Man ist gut im Bilde, zu welcher Tageszeit er seine virtuellen Häschen füttern muß, genauso wie er einen ständig darüber informiert wann er sich ein neues Plüschsofa für sein Spiel-Haus gekauft hat, welche Nägel oder Holzbalken er noch dafür braucht, so wie er einen auch nicht im Unklaren darüber läßt, welches Level er beim Bläschen zerplatzen erreicht hat oder welchen gähnend „spannenden“ Mordfall er gerade gelöst hat. Der Spieler nimmt jedes Spiel mit, nervt seine Freunde schonungslos mit Spieleanfragen und man kommt nicht umhin, sich zu fragen, ob er denn nicht schon mit dem Computer verschmolzen ist oder sonst nichts weiteres, etwas mehr sinnvolleres zu tun hat?!!

Der harmloseste, aber dümmlichst erscheinende Typ ist der „Poser

Der Poser nutzt jede Gelegenheit, um Fotos von sich in jeder Position zu posten. Männliche Poser zeichnen sich beispielsweise dadurch aus, uns mitzuteilen, wann sie gerade im Fitness-Studio gewesen sind ( nach dem Motto: „Mist, Handy daheim vergessen, jetzt waren die ganzen Trainingsstunden umsonst!“) oder um sich braungebrannt in „knackig-lässiger“ Calvin Klein-Model- Pose zu präsentieren.
Gerne „schmücken“ sich Poser auch mal mit allerhand ortsansässigen, eigens ernannten „VIP´S“ um auf der Neueröffnung oder Vernissage (die ihn eigentlich nicht im Geringsten interessiert!) das Champagnerglas in die Linse zu halten.
Weibliche Poser sind meist daran zu erkennen, daß sie wöchentlich mindestens 10 x ihr „Duckface“ in die Kamera halten, um mit „unschuldig dreinblickenden“ weitaufgerissenen Äuglein, möglichst von unten nach oben in die Kamera zu blicken, damit man auch den (meist tiefen) Ausschnitt nicht übersieht. Selfies werden überall gemacht. In der Umkleidekabine oder in der Sauna (ja, tatsächlich haben Poser ihr Handy an den abwägigsten Orten dabei!) Auch schön: Der mit Fotoshop bearbeitete, geschminkte und 3-Wetter-Taft-haltende Frisur- „Schlaf- Schnappschuss!“ Nach dem Motto: „ich, ganz natürlich!“ 😉

Der naive „Allesteiler

Der Allesteiler – wie der Name schon sagt – teilt alles. Dem Allesteiler juckt es sofort unter den Fingernägeln, wenn er die noch so skandalösesten oder unsinnigsten „News“ verbreiten kann, möchte er doch, daß dies die Welt von ihm erfährt! Der Allesteiler hatte verbal den „Teilen-Button“ schon weit vor Facebook als festen Bestandteil in seinen Alltag integriert. Er saugt alles ohne zu hinterfragen naiv in sich auf, um sein „gerade neuerworbenes Wissen“ weiterzuverbreiten. Der Allesteiler glaubt ebenso, daß er mit Teilen eines Bildes einem Kind im hintersten Eck von Kalkutta eine Operation ermöglicht, so wie er durch Weiterverbreiten eines von „5000 fehlproduzierten Handy`s“ gewinnen kann. Gegen Aufklärungsversuche ist er ziemlich beratungsresistent, denn für den Allesteiler gilt: Das steht so in Facebook, also ist es auch wahr!

Der gelangweilte „Tester

Der Tester versucht sich selbst und seine Zukunft näher „kennenzulernen“, indem er sein Umfeld auf Facebook damit langweilt, jeden noch so abstrusen Test zu machen. Vom trivialen „Welche Obstsorte bist du?“, zum sich fremdschämenden „Wie gut bist du im Bett“, bis zum Erbrechen stupidem „Welcher Einhorn- Name paßt zu dir?“ – Test wird alles er- testet und allen mitgeteilt. Beim Tester bekommt man allerdings das Gefühl, daß er beim wichtigsten, dem IQ- Test selbst… gnadenlos durchfallen würde!

Der für mich persönlich amüsanteste, jedoch peinlichste Typ ist der „Selbstdarsteller

Bilder vom Urlaub im abwägigsten Dschungel von Borneo, oder auf dem Indien- Karma- Selbstfindungs- Trip sind keine Seltenheit. Gerne präsentiert er auch seinen ausgefallenen Beruf. Des weiteren sind ihm Fußballspielen oder Tanzkurse zu langweilig. Er wartet mit ausgefallenen Hobby`s wie etwa Molekolarküche- Kochkursen oder „Einhorn- Tanzen- im- Wald- an- einem- Wochenende- leicht- gemacht“- Kursen auf. Der Selbstdarsteller postet auch gerne Bilder aus „früheren“ Zeiten, um der Welt zu zeigen, wie „jung und knackig“ er mal war (oder sich auch mit 65 noch japsend ins Fitness- Studio zu schleifen, da der Selbstdarsteller mit natürlichen, biologischen Gegebenheiten nicht klarzukommen scheint. 😉
Der Selbstdarsteller ist auch bekannt dafür, der „Weisheit letzter Schluß“ zu sein und gibt seine philosophyschen Weltanschauungen gerne überall auch ungefragt zum besten!

Sicher gibt es noch eine Menge anderer verschiedener Typen in Facebook und ich werde die Liste von Zeit zu Zeit etwas ergänzen, denn die Zeiten und „Marotten“ ändern sich ja ständig. Aber mal ehrlich:

Sind wir nicht alle ein bißchen Facebook?? 😉

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11 Gedanken zu “Facebook — oder: „Hast Du noch ein reales Leben?“

  1. Urrgs! Das vereinnahmende „wir“ im Zusammenhang mit Facebook lese ich gar nicht gern. Denn ich bin nicht bei Facebook und hoffe noch immer, dass diese Pest mal rapide an Bedeutung verliert wie einst Myspace, StudiVZ oder Second Life. Es gibt nämlich noch Leben außerhalb der Galaxis Facebook. 😉

    Gefällt 2 Personen

  2. mitgehangen, mitgefangen gefällt mir gut, man kann nicht mit, und auch nicht mehr ohne…aber zum Glück nur, solange man sich dafür entscheidet, aber ich hätte auch etwas positives: wenn man mal gute Gruppen gefunden hat, zum Beispiel fürs kochen, kann es ein sehr guter Input sein

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  3. Ich bin kein Bisschen Facebook.
    Zähle ich nun zu der Gruppe der „Aussätzigen“? 🙂

    Mal am Rande bemerkt:
    Du meintest, dass man sich in der Anonymität des Netzes viel mehr traut…seien es nun Abneigung, Hass oder Verleumdungen, die es offen zur Schau zu stellen gilt. Notfalls auch nur als Mitläufer (noch schlimmer!).
    Leider vergessen viele dabei ihre gute Kinderstube, eben weil sie dabei niemandem direkt in die Augen schauen müssen.
    Meiner Meinung nach zeugt es von mehr Größe, wenn man einem Menschen persönlich zu sagen wagt, was einen stört. Natürlich immer auf Sachlichkeit bedacht.

    Wer im Netz eine „große Nummer“ ist, kann in Wirklichkeit sooo klein- mit Hut- sein. 😉

    Ansonsten:
    Niedlicher Beitrag! Hin und wieder musste ich schmunzeln…man hört ja so einiges, auch wenn man selbst nicht direkt in diese Maschinerie verstrickt ist.

    Gefällt 2 Personen

    1. Dadurch daß es momentan sehr viel Hetze auf fb gibt, mag ich mich momentan gar nicht so mit fb beschäftigen. Am schlimmsten finde ich es in Foren, oder unter manchen Zeitungsartikeln. Da kommen Kraftausdrücke zutage die man vorher gar nie gehört hat und bei manch einem Kommentar kommen einem selbst leichte Agressionen hoch…
      Mich persönlich stört auch, daß ein sinnloses, im „Surri“ aufgenommenes „Selfie“ mehr trara gemacht wird, als wenn es darum geht, sinnvolles zu teilen… 😉

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      1. Was ist „Surri“?
        Kannst Du mir offensichtlich teilamputiertem- weil von Facebook keine Ahnung habenden- Hirn kurz aushelfen?

        Eine ähnliche Diskussion hatte auch die werte Modepraline aufgeworfen, als es darum ging, meinem Blog ein bisschen mehr ins „Rampenlicht“ zu verhelfen.
        Sie wundert sich auch, warum es belanglose Schminktipp-Blogs fast bis in den Olymp schaffen, während mehr als 3 Worte umfassende Textbeiträge oft in der Versenkung herumdümpeln.

        Gefällt 1 Person

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